Gonzo und POV

Gonzo und POV Porn: Mittendrin statt nur dabei

Sie gehören seit Anbeginn der Porno-Zeit zu den beliebtesten Genres: Gonzo- und POV-Filme. Doch was genau bedeuten die Begriffe eigentlich?

Das Genre „Gonzo“ bezeichnet in erster Linie Pornofilme ohne Rahmenhandlung, bei denen der Kameramann oder Regisseur (tritt aus Budgetgründen häufig in Personalunion auf) selbst Hand und Penis anlegt. Oder aber sich durch höfliche Nachfragen („Na, ist das ein lecker Schwanz, du süße Maus?“) und ambitioniertes Anfeuern am Geschehen beteiligt. Ulkige Porno-Dialoge à la „Warum liegt hier eigentlich Stroh?“ gibt es auch hier, doch ist das Gonzo Gequatsche nicht gescripted. Sprich, es gibt kein Drehbuch. Stattdessen geht es direkt ans Eingemachte – keine Vorspeise, dafür gleich vier oder fünf Mal den Hauptgang, der meist aus relativ roughem Sex besteht.

Porno-Pionier Jamie Gillis legte die Weichen für das neue Genre

Was für uns heutigen Pornoliebhaber zum Masturbations-Alltag gehört, war Ende der 1980er Jahre beinahe unbetretenes Terrain. Damals setzte die Porno-Industrie noch auf edle Hochglanz-Produktionen. Porno war kein Amateur-Vergnügen, sondern ein Handwerk, dem nicht jeder Vollhorst in seinem nicht ganz so geil eingerichteten Schlafzimmer in Herne-Süd nachgehen konnte. 1989 änderte sich das. In diesem Jahr machte sich der US-Amerikaner Jamie Gillis mit seiner Kamera auf, um ein neues Konzept zu verwirklichen: Er lud fremde Männer ein, es vor seiner Kamera an wechselnden Örtlichkeiten mit einem Pornostarlet zu treiben – ohne Drehbuch, ohne Umschweife. Daraus entstand die „On the Prowl“-Serie, mit der Jamie Gillis zum offiziellen Erfinder des Gonzo Genres wurde. Weitere Gonzo Pioniere waren Ed Powers, der mit „Bus Stop Tales” Porno-Geschichte schrieb. Außerdem John Stagliano, der mit seiner „Buttman“-Reihe Rocco Siffredi zum Durchbruch verhalf und dem Gonzo Porn seinerseits einen neuen Look verpasste – den POV Look. Dazu kommen wir aber gleich.

Gonzo und POV
Während man beim klassischen Porno Zuschauer ist, bieten Gonzo- und POV-Clips die Mitmach-Perspektive

Gonzo Porn hat überraschenderweise nichts mit Hühnerliebhaber und Mega-Nase Gonzo aus der Muppet-Show zu tun. Dafür mit dem so genannten Gonzo-Journalismus, bei dem die herkömmliche objektive Sichtweise des Journalisten durch eine subjektive Perspektive ersetzt wird. Der Schreiber ist also nicht nur neutraler Berichterstatter, sondern selbst Teil des Geschehens.

Fast so, als würde man selbst vögeln

Das wiederum führt uns zum Gonzo Puzzleteil POV. POV ist die Abkürzung für „Point of view“. Das bezeichnet eine im Film gebräuchliche Kameratechnik, bei der aus der Perspektive eines Akteurs heraus gefilmt wird. Das gibt dem Zuschauer das Gefühl, selbst aktiv am Geschehen teilzunehmen. Mittenmang statt nur dabei. Denn durch die POV Perspektive fühlt es sich mit ein bisschen Phantasie so an, als würden wir selbst vögeln, Ärsche versohlen und Blowjob nach Blowjob kassieren. Diese Art der Filmtechnik eignet sich natürlich ganz famos für Gonzo Pornos. Bei denen – wie wir jetzt alle wissen – auf jeglichen unnötigen Schnickschnack verzichtet wird, um möglichst nah und authentisch am Gebumse dran zu sein.

Und obwohl Gonzo und POV Pornos gerne in einem Abwasch genannt werden, ist es nicht dasselbe, wie wir nun wissen. Sondern POV ist ein Teil des Gonzo Genres, ohne den Gonzo aber inzwischen undenkbar wäre.